Frauen in der Logistik
18.10.2016 Redaktion 3 Kommentare ↓

Wenig Frauen in der Logistik beschäftigt

Der Anteil der weiblichen Beschäftigten in der Logistik-Branche ist recht gering. In den meisten Logistikunternehmen in Deutschland liegt er unterhalb der 40-Prozent-Marke. Insbesondere unter den Lkw-Fahrern gibt es auffallend wenig Frauen.

Frauen in der Logistik, Berufskraftfahrerin

Starke Frau am Steuer: Bei Reinert Logistics sind auch Berufskraftfahrerinnen unterwegs

Obwohl die Geschlechtergrenzen innerhalb der meisten Berufsgruppen mehr und mehr aufweichen, sind einige Berufe noch immer „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“. Dazu gehört auch der des Lkw-Fahrers. Laut einer aktuellen Studie von Statista arbeiten mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland als Berufskraftfahrer. Das sind zum größten Teil Männer. Denn es gibt weniger als 10.000 Frauen in dem Beruf. Bei dem akuten Nachwuchsmangel in der Fahrerbranche können diese Zahlen doch sehr verwundern. Erst kürzlich auf der IAA Nutzfahrzeuge sprach Gerhard Grünig, Chefredakteur der Verkehrsrundschau, davon, dass zukünftig jährlich 35.000 Fahrer altersbedingt aus dem Beruf scheiden werden. Die ersten Speditionen haben das Problem erkannt und gehen es jetzt an –  beispielsweise durch die explizite Ausbildung und Anstellung von Frauen. Ganz vorne dabei ist Reinert Logistics. Mit der Kampagne „Women behind the Wheel“ unterstützt das Unternehmen Frauen auf dem Weg hinter das Lkw-Lenkrad. Bewerberinnen erhalten eine qualifizierte Beratung und finanzielle Unterstützung.

Die Zukunft des Berufskraftfahrers

Es stellt sich die Frage: Warum wagen noch immer so wenig Mädchen und Frauen den Schritt zur Berufskraftfahrerin? Ein gewichtiger Grund ist sicherlich das Image des Berufes. Schwere körperliche Arbeit, viele Überstunden, tagelang auf den Straßen unterwegs. Vieles davon ist wohl noch immer Realität – aber eben nicht alles. Der Berufskraftfahrer wandelt sich immer mehr zum Transportmanager. Assistenzsysteme im Lkw und die digitale Unterstützung in der Logistik sorgen dafür. Wie das Berufsbild in wenigen Jahren schon aussehen kann, zeigt unser Video.

Viele Arbeitgeber würden gerne mehr Berufskraftfahrerinnen beschäftigen. Im Interview hier auf dem Toll Collect-Blog sagt Sabine Hartmann, Geschäftsführerin der Spedition Hartmann International:

Sabine Hartmann ist eine erfolgreiche Frau in der Logistik

Sabine Hartmann ist eine erfolgreiche Frau in der Logistikbranche

„Wir haben leider keine weibliche Fahrerin beschäftigt, würden diese aber jederzeit auch gerne einstellen. Anfang der 90er Jahre hat eine Dame eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin gemacht und war noch einige Zeit im Unternehmen. Herausforderungen sehe ich hier keine. Getrennte Umkleiden, Duschen und Übernachtungsmöglichkeiten sind alles Kleinigkeiten, die entweder vorhanden sind oder kurzerhand umzusetzen sind. Gerade im Umzugsbereich kommt eine weibliche Fahrerin bestimmt gut an.“

Verhältnismäßig wenig Frauen ergreifen Berufe in der Logistik

Generell zieht es wenig Frauen überhaupt in die Logistikbranche. In Deutschland sind es weniger als 40 Prozent. In der Führungsebene von Logistikfirmen sind es sogar weniger als 10 Prozent. Sabine Hartmann ist eine davon. Neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin der Spedition Hartmann International ist sie Präsidentin des europäischen Dachverbandes der Möbelspediteure Fedemac. Seit der Gründung der Fedemac 1959 ist sie die erste Frau, die dieses Amt innehat.

Auch der Bundesverband der Transportunternehmen (BVT) wird derzeit von einer Frau geleitet. Die Transportunternehmerin Dagmar Wäscher ist seit 2011 Vorsitzende des Verbands. Zusätzlich wurde sie 2015 zur Vorsitzenden der Union Européene des Transporteurs Routiers (UETR) gewählt. Eine weitere erfolgreiche Frau in der Logistikbranche ist Frauke Heistermann. Nach ihrem Studium „Spedition und Logistik“ gründete sie 1999 gemeinsam mit Holger Schmitt und Michael Klett die Axit AG. Das Unternehmen bietet cloud-basierte IT-Lösungen zum Management von Logistikprozessen an. Heute ist sie dort Mitglied der Geschäftsführung.

Unternehmen profitieren von weiblichen Mitarbeitern

Generell  profitieren Logistikunternehmen von ihren weiblichen Mitarbeitern. Die Bundesvereinigung Logistik fand in einer Fokusgruppenbefragung heraus, dass Frauen – nach Ansicht der Befragten – zu einem ausgeglichenen Betriebsklima beitragen, einen anderen Blickwinkel einbringen und die Kommunikation im Unternehmen verbessern. Zudem vertrat eine Mehrzahl der Befragten die Auffassung, dass Frauen zu besserem Konfliktmanagement und Teamwork beitragen.

Logistikunternehmen profitieren von Frauen in der Logistik

Quelle: BVL: Management Summary zur Fokusgruppenbefragung „Frauen in der Logistik“

 

Die Logistikbranche steht also vor der Aufgabe Frauen und Mädchen für Logistikberufe zu begeistern, insbesondere für den Beruf der Lkw-Fahrerin. Immerhin: In diesem Jahr hat eine junge Frau den zehnten Platz beim Wettbewerb Best BKF gemacht. Vielleicht ist nächstes Jahr ja schon eine Berufsgenossin unter den Finalisten.

Mit der Frage, wie Frauen in der Logistik erfolgreich sein können, hat sich auch der Blog von Hermes in einem Beitrag beschäftigt. Viel Spaß beim Weiterlesen.

 
3 Kommentare – “Wenig Frauen in der Logistik beschäftigt”
  1. Müller sagt:

    Hallo Jasmin,

    erst einmal finde ich deinen Blog Beitrag sehr interessant. Ich selber bin in der Logistik Branche tätig und unter uns Logistik Kollegen die einzige Frau. Dabei denke ich das es mehr als genug Frauen gibt die absolut das Zeug dazu haben in dieser Branche arbeiten zu können.

    Da ich schon so viele Jahre sowohl in dem Beruf als auch in der Firma tätig bin, habe ich noch diverse Schulungen oben draufgelegt. Zum Beispiel habe ich neben meiner Führerscheinklasse C1E noch den Ausbilderschein für Kran, Flurförderzeuge und Hubarbeitsbühnen. Diese wurden damals von der Firma bezahlt und ich bin froh das ich das diesen Weg gegangen bin.

    Die Schulung zum Ausbilder im Mindestalter hatte aber nicht nur Vorteile für mich, sondern auch für die Firma. Ich empfehle jeder Logistik Firma auch gezielt Frauen einzustellen und vor allem zu fördern.

    Liebe Grüße
    Regina

  2. Müller sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag. Mir ist dieser Punkt noch nie so wirklich aufgefallen. Ich habe einige Zeit für ein Transportunternehmen gearbeitet, doch habe nie auf die Frauenquote geachtet.

  3. Amalia B sagt:

    Danke für den Artikel. Viele Speditionen haben ja generell Nachwuchsprobleme. Das liegt aber auch an den oft schwierigen Arbeitsbedingungen. Ich denke, dass sich bei der zukünftigen Personalknappheit einiges ändern muss. Ich finde es gut, da auch Frauen besonders zu fördern.

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