Transport wächst auf deutschen Straßen
13.01.2017 Stephanie Kunert Keine Kommentare ↓

Junge Start-ups rollen Logistik auf

Die Logistik steht vor weitreichenden Veränderungen durch die Digitalisierung des kompletten Speditionsgeschäfts. Ausgerechnet die global führenden deutschen Unternehmen gehen die Aufgaben der digitalen Transformation eher zögerlich an. Logistik-Start-ups sind dabei, die Logistiklandschaft zu revolutionieren. 

Zu dieser Einschätzung kommt die Managementberatung Oliver Wyman in einer internationalen Marktanalyse: Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten die etablierten Logistikdienstleister weitaus stärker als bisher die Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups ihrer Branche suchen.

Sie heißen Flexport, UShip, Uber Freight oder Freighthub und sind dabei, die Logistiklandschaft zu revolutionieren. Wurden in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge hauptsächlich in Neugründungen aus dem Umfeld der Personenmobilität, wie Uber, BlaBlaCar oder Flixbus investiert, steht nun der Logistiksektor auf dem Plan der Investoren.

42 Start-Ups in der Logistik gab es 2016 in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

42 Start-Ups in der Logistik gab es 2016 in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Quelle: http://www.oliverwyman.de/who-we-are/press-releases/2017/Start-ups-rollen-Logistikbranche-auf.html

Auch wenn die Newcomer vielen Logistikern heute noch nicht bekannt sind, verändern sie die Branche bereits mit erheblichen finanziellen Mitteln. Der Analyse der Managementberatung Oliver Wyman zufolge beliefen sich allein die öffentlich bekannten Finanzierungsrunden von Logistik-Start-ups in den letzten zehn Jahren auf fast elf Milliarden Euro. Im Schnitt wird alle fünf Tage ein neues Unternehmen gegründet.

Joris D’Incà, Partner und Logistikexperte bei Oliver Wyman:

„Innovative Start-ups sind dabei, das klassische Speditionsgeschäft komplett zu digitalisieren. Sie fragmentieren die bisherigen Supply Chains und revolutionieren durch die Kombination einer bisher nicht gekannten Menge an Daten die Effizienz und Transparenz des Transportgeschäfts. Wenn die etablierten Anbieter nicht rechtzeitig auf die digitalen Geschäftsmodelle reagieren, können die agilen Start-ups schon bald zu einer realistischen Gefahr werden.“

Nachholbedarf in Deutschland

Als Standort global führender Unternehmen wie DHL, DB Schenker und Dachser nimmt Deutschland weltweit eine der Spitzenpositionen in der Logistik ein. Allein hierzulande arbeiten rund drei Millionen Menschen in der Logistik. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 250 Milliarden Euro pro Jahr. Ob Deutschland Branchenprimus bleibt, hänge auch davon ab, wie es den Logistikern gelingt, ihr Geschäft zu digitalisieren. Vielen Logistikern falle es schwer, mit dem Tempo der Digitalisierung Schritt zu halten, so die Oliver Wyman-Studie. Start-ups hingegen sind flexibel und müssen nicht auf gewachsene Strukturen Rücksicht nehmen.

In den vergangenen Jahren kamen vor allem Start-ups aus den Bereichen Online-Plattform und Versand an den Markt.

In den vergangenen Jahren kamen vor allem Start-ups aus den Bereichen Online-Plattform und Versand an den Markt. Quelle: http://www.oliverwyman.de/who-we-are/press-releases/2017/Start-ups-rollen-Logistikbranche-auf.html

 

Das Problem für Deutschland: Die Finanzierung innovativer Transport- und Logistik-Start-ups findet bis dato vor allem in den USA und in Asien statt. In beiden großen Märkten werden jeweils etwa 45 Prozent der globalen Investitionen in Logistik-Start-ups getätigt. Europa kommt lediglich auf fünf Prozent. Allein 2016 haben die führenden amerikanischen Venture-Capital-Firmen mehr als 250 Millionen Euro für Logistik-Start-ups ausgegeben.

Zögerliche Zusammenarbeit in der Logistik

In Deutschland erfolgt das Umdenken jedoch nur langsam. Die Branchenführer DHL oder DB Schenker beispielsweise haben damit begonnen, sehr selektiv in erste Partnerschaften mit Start-ups zu investieren. So übernahm DHL beispielsweise Streetscooter. Das Spin-off der RWTH Aachen soll helfen, kosteneffiziente, elektrische Lieferfahrzeuge zu entwickeln. DB Schenker kooperiert mit der amerikanischen Frachtbörse Uship, um die Auslastung im Landverkehr zu erhöhen und zugleich die eigene Innovationskraft zu steigern.

Berlin ist auch für Gründungen im Logistikbreich ein Hotspot. Quelle: http://www.oliverwyman.de/who-we-are/press-releases/2017/Start-ups-rollen-Logistikbranche-auf.html

Insbesondere bei der Investition und Wachstumsförderung lokaler Start-ups bleibt die deutsche Logistikwirtschaft aber zögerlich. „In Deutschland gibt es mehr als 30 interessante Start-ups im Logistikumfeld. Der Austausch mit deutschen Logistikunternehmen findet bisher wenn überhaupt nur sehr zögerlich statt. Das kann langfristig zu einem Wettbewerbsnachteil für den Standort Deutschland werden“, warnt die Studie.

 

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