28.02.2017 Redaktion Keine Kommentare ↓

Nachhaltigkeit auf der Straße: Erdgas – Kraftstoff der Zukunft?

Mindestens jeder siebte Lkw ist im Jahr 2026 nicht mehr mit Diesel unterwegs (Deloitte Global Truck Studie). Doch nicht alle Alternativen zum Traditionskraftstoff der Transportbranche sind für alle Transportarten geeignet. Wir werfen heute einen Blick auf das Erdgas.

Der Elektroantrieb punktet bislang vor allem auf kurzen Strecken im urbanen Raum, wo die nächste Stromsäule nicht weit ist, und die geringe Lärmbelastung zur Umweltfreundlichkeit zusätzlich beiträgt. Doch wie sieht es auf der Langstrecke aus? Hier rückt der Gasantrieb ins Blickfeld. Laut der Initiative der deutschen Erdgaswirtschaft, Zukunft ERDGAS, erreicht ein Fahrzeug, das mit Erdgas angetrieben wird, eine nahezu vergleichbare Reichweite wie mit einem Dieselantrieb. Doch wie sieht das im Kraftverkehr aus? Welche Möglichkeiten gibt es aktuell überhaupt?

Erdgas ist nicht gleich Erdgas

Zunächst einmal sind verschiedene gasförmige Antriebsarten auf dem Markt. Was welche Abkürzung bedeutet und was für bzw. gegen sie spricht, haben wir zusammengefasst.

Erdgas -drei Varianten

Wo liegen die Unterschiede zwischen LPG, CNG und LNG?

Negativ an der Verflüssigung bei LNG ist, dass dafür zusätzlich Energie benötigt wird. Das erhöht die Gesamtenergiebilanz. Positiv zu bewerten ist allerdings, dass beim Transport weniger Energie verloren geht als bei CNG. Aktuell wird LNG weniger häufig als Kraftstoff eingesetzt als CNG.

Insgesamt wird bei der Verbrennung von Erdgas zwar kein Kohlendioxid (wie bei Diesel) freigesetzt, jedoch geraten geringe Mengen von Methan in die Umwelt. Immerhin ist das der Hauptbestandteil von Erdgas. Methan besitzt ein 25 Mal höheres Erwärmungspotenzial für die Erdatmosphäre als CO2, auch wenn die ausgestoßenen Mengen in der Summe kleiner sind.

Dennoch sieht das DVZ-Magazin „Alternative Antriebe“ gerade LNG als den alternativen Kraftstoff mit „den größten Chancen auf einen Durchbruch als zweites Antriebskonzept im Nutzfahrzeugbereich“ neben Elektro-Lkw. Der Grund: Für die Komprimierung von Erdgas zu CNG ist viel Energie nötig und während des Transports geht mehr Energie verloren als bei verflüssigtem Erdgas.

Kostenrechnung: Anschaffung teuer, Betriebskosten niedrig

Laut transport online ist die Anschaffung von Kraftfahrzeugen mit LNG-Motoren teurer als die von Dieselfahrzeugen. Jedoch fallen die Betriebskosten deutlich geringer aus. LNG ist aktuell günstiger als Diesel. Allerdings gibt es derzeit keine zuverlässige Tankinfrastruktur. Der Bund fördert deshalb seit einiger Zeit sogenannte Demonstrationsprojekte, wie zum Beispiel den Kauf von LNG-Lkw, die im Raum Berlin eine LNG-Tankstelle beliefern sollen und damit den Grundstein für die Tankinfrastruktur erst legen.

Zulassungszahlen

Ganz offensichtlich: Sind Tankstellen vorhanden, steigen die Zulassungszahlen für Erdgasfahrzeuge. Quelle: https://downloads.zukunft-erdgas.info/

Auch den Treibstoff selbst finanziert das Bundesverkehrsministerium derzeit (noch) mit – steht doch die Förderung von Autogas, CNG und LNG im Vertrag der Großen Koalition. Warten wir also ab, wie sich das Thema ab Herbst 2017 entwickelt.

Anfang Februar 2017 gab das Ministerium bekannt, dass die Förderung von Autogas/LPG in Deutschland wohl 2018 auslaufen wird. Zum einen sei die Infrastruktur bereits sehr gut ausgebaut. Zum anderen bedarf die Förderung einer Gegenfinanzierung, die unter den aktuellen Bedingungen nicht vorliegt. Praktisch bedeutet das, dass ein Liter Autogas ab 2018 etwa 63 Cent statt aktuell etwa 60,5 Cent kosten wird. Erdgas, sowohl CNG als auch LNG, sollen weiter subventioniert werden.

Nichtsdestotrotz steht als Ziel fest, Erdgas europaweit als Kraftstoffalternative zu etablieren. So soll es bis 2025 alle 150 Kilometer eine CNG- und alle 400 Kilometer eine LNG-Tankstelle geben.

Vorteile von Autogas- und Erdgasantrieben

Im Sommer 2016 präsentierte Iveco den neuen Stralis NP, wobei NP für Natural Power steht. Dieser Erdgas-Lkw hat einen 400 PS-Motor, der laut Unternehmen die gleiche Nutzlast wie ein vergleichbarer Diesel-Lkw hat. Die längste Reichweite – bis zu 1.500 Kilometer – schafft die reine LNG-Version, aber auch die CNG-Modelle fahren tankstoppfrei bis zu 570 Kilometer. Hybrid-Lkw (LNG und CNG) schaffen 855 Kilometer Strecke. Kurz gesagt: Es gibt Erdgas-Lkw, die mit der Leistung von Dieselfahrzeugen mithalten können.

Erdgasbetriebener Stralis NP

Der Stralis NP ist seit Sommer 2016 auf dem Markt. Foto: Iveco

Doch wie sieht es beim Thema Umweltschutz aus? Der italienische Hersteller verspricht für sein Modell beispielsweise „nahezu null Emissionen“, das heißt 70 Prozent weniger Stickoxide, 99 Prozent weniger Rußpartikel und 90 Prozent weniger methanfreie Kohlenwasserstoffe als von der Euro-VI-Norm gefordert.

Laut Herstellerangaben fallen die Wartungskosten bei autogas- und erdgasbetriebenen Fahrzeugen insgesamt geringer aus als bei konventionellen Dieselfahrzeugen. Beispielsweise brauchen sie keinen Partikelfilter, weil Erdgas mit weniger Rückständen verbrennt und nahezu keinen Feinstaub produziert. Die Fahrzeuge können Autogas und Erdgas vergleichbar schnell wie Diesel tanken, was ein klarer Vorteil zu Elektroantrieben und ein Pluspunkt für das Routenmanagement ist.

Erdgas im Vergleich zu Benzin und Diesel

Emissionsvergleich: Was spart Erdgas im Vergleich zu Benzin und Diesel? Quelle: https://downloads.zukunft-erdgas.info/

Erdgasmotoren laufen deutlich leiser als ihre Diesel-Pendants. Die folglich geringe Geräuschemission ist gerade bei innerstädtischen Touren und Nachttransporten ein weiterer Vorteil. Vor allem Nachtfahrten könnten langfristig den regulären Straßenverkehr entzerren und sich zum Wettbewerbsvorteil für Spediteure mit Erdgasfahrzeugen entwickeln.

Wo ist noch Handlungsbedarf?

Genau wie beim Thema Elektro-Lkw gibt es noch zu wenige marktfähige Angebote der Fahrzeughersteller. Das können Angebote sein, mit denen konventionelle Fahrzeuge unkompliziert umgerüstet werden können oder deren Nutzung und Reichweite mindestens vergleichbar mit Diesel-Lkw ist. Daneben muss die Tankinfrastruktur nachziehen und verfügbar werden.

Wenn die Voraussetzungen gesichert sind, können auch Strategiepläne, wie der Klimaschutzplan 2050, erfolgsversprechend angegangen werden. 2016 ratifizierte die Bundesregierung das Klimaabkommen von Paris und verpflichtete sich damit, die Treibhausgasemission in Deutschland langfristig zu neutralisieren. Als Folge entstand der nationale Klimaschutzplan, der einen Orientierungsleitfaden für die Politik darstellt. 2018 wird ein daraus resultierendes erstes Programm mit konkreten Maßnahmen erwartet.

 

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