19.08.2015 Claudia Steen 8 Kommentare ↓

Mehr Kontrollbrücken für die Lkw-Maut auf Bundesstraßen – stimmt das?

Seit dem Mautstart im Jahr 2005 hat sich einiges geändert, denn Toll Collect erhebt mittlerweile auch auf ausgewählten Bundesstraßen die Lkw-Maut. Aber wie funktioniert dort eigentlich die Kontrolle der Maut? Und sind dafür Kontrollbrücken erforderlich?

Ein Mythos über das Mautsystem von Toll Collect besagt, dass für die Kontrolle der Lkw-Maut auf Bundesstraßen Kontrollbrücken notwendig wären. Hier erklären wir, warum dieser Mythos falsch ist. Dazu schauen wir zunächst, wie auf den Bundesstraßen die Einhaltung der Mautpflicht überprüft wird und danach, welche Rolle die Kontrollbrücke im Kontrollsystem spielt.

Wie wird auf den Bundesstraßen die Lkw-Maut kontrolliert?

Seit 1. Juli 2015 sind etwas mehr als 2.300 Kilometer auf Bundesstraßen mautpflichtig. Das für die gesamte Mautkontrolle verantwortliche Bundesamt für Güterverkehr (BAG) hat verschiedene Möglichkeiten, die Einhaltung der Mautpflicht auf den Bundesstraßen zu überprüfen: zum einen mit der mobilen Kontrolle, zum anderen über portable Kontrollgeräte. Darüber hinaus können die BAG-Mitarbeiter bei einem Verdacht den mautpflichtigen Lkw auf einen Parkplatz ausleiten und dann direkt klären, ob die Gebühr bezahlt wurde.

Bei den Kontrollen – egal ob auf Autobahnen oder Bundesstraßen – wird immer überprüft, ob für das Fahrzeug die Lkw-Maut bezahlt, alle Streckenabschnitte vollständig gebucht sowie Achszahl und Schadstoffklasse richtig angegeben wurden.

Die mobile Kontrolle

Beamte des BAG fahren im fließenden Verkehr an den Lkw vorbei und nehmen über die eingebaute Technik Kontakt mit der im Lkw eingebauten On-Board Unit (OBU) auf. Die Mitarbeiter der rund 280 BAG-Teams können die letzten Streckenabschnitte auslesen und so verifizieren, ob für das Fahrzeug die Lkw-Maut korrekt bezahlt wurde. Lässt sich kein Kontakt zur OBU aufnehmen, gibt einer der beiden Kontrolleure das Kennzeichen des Fahrzeugs händisch über eine Tastatur ein und fragt so über das Toll Collect-Rechenzentrum an, ob eine Buchung über Internet oder ein Mautstellen-Terminal vorliegt. In Sekundenschnelle kommt die Antwort aus dem Rechenzentrum. Ist alles in Ordnung, fährt das BAG-Kontrollfahrzeug einfach weiter. Ist die Lkw-Maut nicht oder nicht richtig bezahlt worden, signalisieren die Beamten dem Lkw-Fahrer, dass er ihnen auf den nächsten Parkplatz folgen soll. Dort wird dann noch einmal genauer geschaut. Falls der Fahrer gegen das Bundesfernstraßenmautgesetz verstoßen hat, wird die Gebühr nacherhoben und sofort vor Ort ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Von Fahrern ausländischer Lkw wird vor der Weiterfahrt ebenfalls die Maut nacherhoben und eine Sicherheitsleistung in Höhe des zu erwartenden Bußgeldes erhoben.

Die portable Kontrolle

Wie der Name vermuten lässt, ist das ein tragbares System, das die BAG-Teams bei ihren mobilen Kotrollen mitführen und in kurzer Zeit aufbauen können. Die Kontrollgeräte – übrigens die gleiche Technik, die auf den Autobahnen an den Kontrollbrücken zu finden ist – werden an bereits vorhandene Straßenüberführungen montiert und überprüfen, ob die Lkw-Maut bezahlt wurde. Mobile Kontrolle der Lkw-Maut Diese Kontrollen ermöglichen im Verdachtsfall die Durchführung einer weiteren Klärung auf nachgelagerten Parkplätzen. Dort vergewissert sich eine weitere mobile Einsatzgruppe des Bundesamtes, ob die Maut bezahlt wurde. Durch die aufgeführten Möglichkeiten können die Mautkontrollen flexibel durchgeführt werden und sind für den Lkw-Fahrer im Vorfeld nicht zu erkennen, weil die Überprüfung scheinbar zufällig passiert, ähnlich wie bei Kontrollen in Bussen und Bahnen oder beim Geschwindigkeits-Check durch die Polizei. Damit kann das Bundesamt für Güterverkehr die Maut auf den Bundestraßen sehr effizient kontrollieren.

Und was machen die Kontrollbrücken?

Die insgesamt 300 Kontrollbrücken komplettieren das Kontrollsystem. Sie sind ausschließlich auf den Autobahnen zu finden. Die Kontrollbrücken erlauben eine automatische Überprüfung des mautpflichtigen Verkehrs. Kameras über den Fahrstreifen fotografieren zuerst das Kennzeichen eines jeden auf die Brücke zufahrenden Fahrzeugs. Im zweiten Schritt werden alle Fahrzeuge mit Scannern vermessen. Sind die Autos niedriger als zwei Meter und kürzer als acht Meter, werden alle bis dahin entstandenen Daten aus den Arbeitsspeichern der Kameras unmittelbar gelöscht.

Nun beginnt die eigentliche Kontrolle der Lkw-Maut: Über eine DSRC-Kommunikation (Kurzstreckenkommunikation über Infrarot oder Mikrowelle) wird festgestellt, ob das Fahrzeug mit einer OBU ausgerüstet ist. Die Kurzstreckenkommunikation kann feststellen, ob die letzten Streckenabschnitte korrekt gebucht wurden. Ist alles in Ordnung, werden auch die bis dahin entstandenen Daten automatisch und innerhalb von Sekunden gelöscht.

Ist in dem Fahrzeug keine OBU eingebaut, folgt ein automatischer Abgleich des Kennzeichens mit allen vorliegenden manuellen Einbuchungen. Auch hier wird geprüft, ob die Fahrzeuge eingebucht sind und Achszahl und Schadstoffklasse korrekt angegeben wurden. Aber auch die Routenführung wird verglichen. Fährt der Lkw eine andere Strecke als gebucht, ist er ein Falschzahler. Auch das wird geahndet mit Nachzahlung und Bußgeld.

Wenn die Technik falsche Einbuchungsdaten findet oder feststellt, dass für einen Lkw gar keine Buchung zu finden ist, sendet sie die erhobenen Informationen an das Toll Collect-Kontrollzentrum. Dort werten Toll Collect-Mitarbeiter die Daten aus. Für die Technik und die Auswertung der Daten aus den Kontrollbrücken bis hin zur Nacherhebung ist Toll Collect im Auftrag des Bundesamtes zuständig. Die sich anschließenden Ordnungswidrigkeitsverfahren übernimmt das BAG, denn das ist eine hoheitliche Aufgabe und kann nicht von Toll Collect ausgeführt werden.

Braucht es mehr Kontrollbrücken, wenn das mautpflichtige Streckennetz wächst?

Nein, dieser Mythos ist falsch. Die Kontrollbrücken stehen nur auf Autobahnen. Durch den flexiblen und erweiterbaren Mix der Kontrollarten kann das BAG auf den Bundesstraßen sehr effizient die Einhaltung der Gebührenpflicht überprüfen, ohne dass Kontrollbrücken aufgebaut werden müssen. Das schont Umwelt und Ressourcen.

Über die verschiedenen Kontrollarten werden auf mautpflichtigen Straßen rund 10 Prozent des schweren Lkw-Verkehrs stichprobenartig überprüft. Im Jahr sind das zwischen 20 und 23 Millionen Lkw. Häufen sich Verdachtsmomente, kann das BAG sogar eine Betriebskontrolle, ähnlich einer Steuerprüfung, bei deutschen Unternehmen durchführen.

Übrigens: Wenn man über die Kontrolle der Lkw-Maut spricht, drängt sich schnell eine weitere Frage auf: Wie hoch ist der Anteil von mautpflichtigen Fahrten, der zu beanstanden ist? Und der ist seit Jahren erfreulich gering und liegt konstant bei weniger als einem Prozent.

Sehen Sie in unserem Video, wie die Kontrolle der Lkw-Maut auf Bundesstraßen funktioniert:

 
8 Kommentare – “Mehr Kontrollbrücken für die Lkw-Maut auf Bundesstraßen – stimmt das?”
  1. Maria sagt:

    Guten Tag!. Welche Strafen für die Lastkraftwagen für die Nichtbezahlung der der Bezahlung unterliegenden Wege vorgesehen sind?

  2. Rogowski sagt:

    Hallo, da die Mautpflicht auf Bundesstraßen ausgeweitet wird, stellt sich mir folgende Frage: sind Linienbusse (18t zul. GG) auch Mautpflichtig?

  3. Scherel sagt:

    Guten Tag wie kann ich auslesen wann der Fahrer auf mautpflichtigen Straße fährt. MFG Pierre Scherel

    • Claudia Steen sagt:

      Guten Tag, Sie können im Kunden-Portal unter „Nicht abgerechnete Fahrten“ sehen, auf welchen mautpflichtigen Straßen der Lkw unterwegs war. Dort stehen die Daten nach 48 Stunden zur Verfügung, weil die Mautbeträge zeitversetzt aus den On-Board Units gesendet werden. Damit wird den gesetzlichen Vorgaben für den Datenschutz Rechnung getragen. Eine andere Möglichkeit ist, die Einzelfahrtennachweise, die an jeder Mauaufstellung hängen, zu sichten.
      Viele Grüße Claudia Steen

  4. Christoph Klinge sagt:

    Hallo, stimmt es das künftig der abgebuchte Mautbetrag nicht mehr im Display des Fahrzeugs erscheint ? wenn ja warum. Da wir mit unseren Baufahrzeugen bei den Kunden im Stundenlohn fahren, haben die Fahrer bisher den täglich anfallenden Mautbetrag dem Kunden auf dem Lieferschein vermerkt und abzeichen lassen. Wie bekommt mein Kunde auf der Baustelle in Zukunft seinen korrekten Mautbetrag nachgewiesen?

    • Stephanie Kunert sagt:

      Hallo Herr Klinge,

      ja, es trifft zu, dass die bisherige OBU-Anzeige mit der Umstellung auf die zentrale Mauterhebung entfallen wird. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt die Mauterhebung im automatischen Verfahren zentral und nicht mehr dezentral auf dem Fahrzeuggerät. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass die Fahrzeuggeräte auch nach der Mautausweitung auf alle Bundesstraßen weiter genutzt werden können und dass kein Werkstattaufenthalt nötig ist.

      Die sogenannten nicht abgerechneten Fahrten können Sie zukünftig online im Kunden-Portal einsehen. Es ist vorgesehen, dass die Daten spätestens nach 48 Stunden dort einsehbar sind. In der Regel wird dies früher der Fall sein. Wir sind aus Gründen des Datenschutzes und der Datensparsamkeit verpflichtet, keine Echtzeitverfolgung der Lkw durchzuführen. Da die Fahrdaten zeitversetzt und mit hohen Sicherheitsstandards versehen in der Zentrale eintreffen müssen, können diese nicht umgehend im Kunden-Portal bereitgestellt werden.

      Der Fahrer sieht im künftigen Verfahren nicht mehr auf welcher mautpflichtigen Strecke er unterwegs ist, da die OBU lediglich die Fahrdaten an die Zentrale übermittelt. Er sieht jedoch weiterhin über die grüne LED, dass sein Gerät ordnungsgemäß funktioniert.

      Mit freundlichen Grüßen
      Stephanie Kunert

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