Keine Abrechnungspanne bei Toll Collect
04.12.2017 Stephanie Kunert Keine Kommentare ↓

Mautsystem kein überteuertes Großprojekt

04.12.2017 – Seit einigen Tagen macht eine Studie der Hertie School im Internet die Runde. Diese ist bereits zweieinhalb Jahre alt und behauptet, Toll Collect sei überteuert. Die Studie beruht nachweislich auf falschen Daten.

Die Tageszeitung „Die Welt“ hat die Studie “Large Infrastrucure Projects in Germany – Between Ambition and Realities” der Hertie School of Governance nun für einen Bericht wieder aus der Schublade geholt. Der Artikel aus der vergangenen Woche sagt, das Mautsystem, und somit Toll Collect, sei eines der am meisten überteuerten Großprojekte in der deutschen Geschichte. Es wird behauptet, die Projektkosten des Mautsystems seien 1150 Prozent höher gewesen als geplant.

Die Studie beruht nachweislich auf falschen Daten. Drei Fakten zur Aufklärung:

Keine Verluste für öffentlichen Auftraggeber

Richtig ist: Die durch die Verzögerung entstandenen Mehrkosten beim Systemaufbau tragen die Anteilseigner der Toll Collect GmbH. Damit ist dem öffentlichen Auftraggeber an dieser Stelle kein Schaden entstanden.

Datengrundlage spekulativ

Die Studie gibt vor, dass in die Berechnung lediglich Projekte einflossen, für die verlässliche Zahlen und Schätzungen vorlagen. Für Toll Collect werden dann aber fiktiv entgangene Mauteinnahmen (sog. Zusatzkosten) beziffert, die aufgrund der Verzögerung des Systemaufbaus entstanden seien. Dabei geht es laut Studie um 6,9 Milliarden Euro. Dies stellt allerdings eine einseitig vom Bund erhobene Forderung dar, die derzeit in einem Schiedsgerichtsverfahren verhandelt wird. Daher hätte – zumindest bis zu einem finalen Urteil des Schiedsgerichtes – kein Wert angerechnet werden dürfen.

Wiedergabe der Originalquelle unpräzise

Die Originalquelle Flyvbjerg/Budzier 2011 (Bent Flyvbjerg and Alexander Budzier „Why Your IT Project May Be Riskier Than You Think“, in: Harvard Business Review, September 2011) spricht in Bezug auf Toll Collect von verlorenem Umsatz/Einnahmen (revenues) und nicht von Projektmehrkosten. Dies ist ein wichtiger Unterschied, der von den Verfassern der Hertie-Studie nicht weiter beachtet wird, obwohl er ihnen bekannt war. Leider erfolgte zu keiner Zeit eine Rücksprache mit Toll Collect, um die Zahlen zu verifizieren. Dies spricht nicht für die Qualität der Studie.

 

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