04.04.2017 Oliver Jesgulke Keine Kommentare ↓

Intelligente Anhänger – Vorteile moderner Trailertelematik

Ständige Transparenz über Verbleib und Zustand der Ladung wird in vernetzten Logistikketten immer wichtiger. Dank Trailertelematik stehen Fahrern und Speditionen sämtliche relevante Daten von Aufliegern in Echtzeit zur Verfügung.

Die Vorteile von Telematik im Fernverkehr sind heute bereits vielfältig: Just-in-time Lieferungen werden über Positionsangaben des Lkw in Echtzeit genauestens kontrolliert. So werden beispielsweise Produktions- und Montagestillstände vermieden. Beim Personal für die Be- und Entladung entfallen Wartezeiten, da die Teams zur aktuell berechneten Ankunftszeit zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sind über Telematikdienste Stand- und Arbeitszeiten für das Rechnungswesen ebenso nachvollziehbar wie abgerechnete Mautkilometer. Nachdem Spediteure, Transporteure und Logistiker bislang primär auf die telematische Anbindung ihrer Zugmaschinen fokussierten, erkennen sie zunehmend auch die gleichrangige Bedeutung der Trailertelematik für ihre Flotten.

Technik hinter der Trailertelematik

Führende deutsche Hersteller von gezogenen Einheiten wie Krone und Schmitz Cargobull bieten bereits eingebaute Telematikangebote. Neben den Erstausrüster-Systemen gibt es aber auch Nachrüstsysteme verschiedener Dienstleistungsunternehmen.

Trailertelematik made in Germany

Die deutschen Firmen Schmitz Cargobull und auch Krone bieten vorgerüstete Trailer. Foto: Schmitz Cargobull

Im Wesentlichen handelt es sich bei der Trailertelematik um zwei Komponenten: Zum einen die Hardware mit einem GPS-Empfänger samt Antenne zur Ermittlung der Positionsdaten, einem Bordrechner und einer Kommunikationseinheit, die Daten an die Spedition übermittelt. Zum zweiten sorgt eine Software für die Auswertung und Übertragung in die Fahrzeugkabine beziehungsweise direkt zum Spediteur. Das Spektrum an Einsatzszenarien ist breit – der Toll Collect-Blog stellt die neuesten vor:

⇒ Ob das sogenannte Hubdach eines Anhängers angehoben oder abgesenkt ist, können Lkw-Fahrer bislang nur mit Sicherheit sagen, wenn sie das Fahrerhaus verlassen und das Dach überprüfen. Fährt man versehentlich damit los, erhöht das nicht nur den Kraftstoffverbrauch, sondern führt im schlimmsten Fall zu Schäden an Brücken oder Ein- und Ausfahrten von Gebäuden. Die Dachhöhenkontrolle liefert Informationen über die genaue Position direkt ins Fahrerhaus. Möglich ist das durch einen integrierten Sensor im Dach.

⇒ Wie viel Ladung passt noch in den Trailer? Modernste Trailertelematik hilft auch zur Erkennung freier Ladeplätze. Damit erreichen Speditionen eine optimale Auslastung ihrer Fahrzeugflotte. Ein- und Ausladungen werden vereinfacht. Die Disposition ist in Echtzeit darüber im Bilde, welche Stellplätze wo genau auf der Ladefläche noch frei sind.

⇒ Sensoren an den Bremsen messen kontinuierlich die Temperatur und den Verschleiß des Bremsbelags an jedem Rad.  So können schwerwiegende Beschädigungen, etwa durch Heißläufer, vermieden werden und der Fahrer erhält Informationen zur Instandhaltung des Trailers.

Telematik-unterstützter Zurrgurt

Zurrgurte warnen, wenn ihre Spannung nachlässt. Quelle: SpanSet

⇒ Auch einfache Hilfsmittel wie Zurrgurte lassen sich intelligent nutzen. Der Clou: In jedem einzelnen Gurt ist ein Bauteil verarbeitet, das über den gesamten Transport hinweg die jeweilige Spannkraft kontinuierlich misst und die Information über einen Transponder ins Führerhaus überträgt. So lassen sich die Sicherungskräfte der Zurrsysteme in Echtzeit prüfen. Fällt die Sicherungskraft eines Spannelementes unter den Sollwert ab, wird der Lkw-Fahrer über eine grafische Anzeige gewarnt und kann den betroffenen Gurt nachspannen – ohne dass er alle Einheiten überprüfen muss.

⇒ In Deutschland ist die Anzahl der Ladungsdiebstähle gestiegen. Das Bundesamt für Güterverkehr spricht von einer hohen vierstelligen Zahl. Daher spielt auch das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle bei der Trailertelematik. Insbesondere Trailer für Pharmatransporte, deren Werte schon mal die Millionengrenze überschreiten, sind entsprechend ausgestattet. Das Verschlusssystem der Sicherheitstüren und der Türkontaktschalter sind an die Telematik-Hardware angeschlossen. Ereignisse wie ungeplante Türöffnungen lösen dann Alarm aus. Im Falle eines Diebstahls kann zudem die exakte Position durch GPS nachverfolgt werden.

⇒ Im Bereich der Kühlkette kommt der Temperaturmessung in speziellen Kühlkoffern eine wichtige Rolle zu. Lebensmittel oder auch Medikamente müssen während des Transports durchgehend gekühlt und überwacht werden. Kleinste Abweichungen von der Solltemperatur sind meldepflichtig. Fällt beispielsweise ein Kühlaggregat aus, kann vom Fahrer oder einem Remote-Arbeitsplatz aktiv eingegriffen werden. Der Fahrer kann dann beispielsweise eine Werkstatt anfahren oder der Disponent justiert die Temperatur im Laderaum nach. Darüber hinaus überträgt die Technik sämtliche Wartungs- und Betriebsdaten des Kühlsystems, um notwendige Reparaturen und Instandhaltungen frühzeitig zu planen.

Alles im Blick – das erleichtert die Arbeit des Disponenten. Foto: Schmitz Cargobull

⇒ Konnte man vor einigen Jahren lediglich die Position des Lkw auf einer Karte bestimmen, sind heute Geofencing-Lösungen erhältlich. Weicht das Fahrzeug etwa von der geplanten Route oder einem festgelegten Transportkorridor ab, löst das System ohne Zutun des Fahrers einen Alarm in der Zentrale aus. Ein weiterer Pluspunkt: Die aufwendige Suche auf dem Werksgelände nach einem bestimmten Trailer ist Geschichte. Über die Positionsbestimmung ist aber nicht nur der Standort bekannt, sondern auch ersichtlich, ob der Lkw den richtigen Trailer zieht. Der Dienst erkennt dazu, ob an der Sattelzugmaschine ein Auflieger angekuppelt ist und identifiziert diesen anhand der Fahrzeug-Identifikationsnummer.

Den gesamten Zug im Blick

Alle Sendungs-, Transport- und Fahrzeugdaten des Trailers, die innerhalb einer Supply Chain anfallen, stehen über ein webbasiertes Portal oder Flottenmanagementsystem in Echtzeit zur Verfügung.

In der Vergangenheit waren zwei Systeme notwendig, um die Daten der Zugmaschine und des Trailers abzufragen. Nun erhält der Disponent dank neuer Schnittstellen alle wichtigen Informationen zum kompletten Fahrzeug auf einen Blick. Auf dieser Basis lassen sich Transport- und Produktionslogistik optimierter abstimmen und Flotten dank der Datenfülle wirtschaftlicher betreiben.

 

 

 

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